Bausparen in Österreich

Österreich ist das Land der Bausparer: Rund zwei Drittel der Sparer in Österreich besitzen einen Bausparvertrag. Am österreichischen Markt gibt es vier Bausparkassen, die laut AÖB (Arbeitsforum Österreichischer Bausparkassen) mehr als 5 Millionen Sparer betreuen.

Vorteile beim Bausparen:

  • Attraktive Zinsen
  • 100-%ige Sicherheit
  • Anspruch auf günstiges Bauspardarlehen
  • Überschaubare Bindungsfrist von 6 Jahren
  • Steuerfreie Bausparprämie

In Österreich wird das Bausparen in der aktuellen Form bereits seit Ende der zwanziger Jahre praktiziert und ist mittlerweile die wichtigste Finanzierungsform für die eigenen vier Wände in der Alpenrepublik. Vor allem die staatlichen Fördermaßnahmen und die gesetzlich festgelegte Zinssatzobergrenze machen das Bausparen zu einer beliebten Finanzierungsart. Dank der vergleichsweise rentablen Zinsen und der Bausparprämie ist der Bausparvertrag aber auch als sichere Kapitalanlage geeignet.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Beim Bausparen gilt das Solidarprinzip: Gemeinschaftlich zahlen die Bausparer Geld in einen Topf ein, aus dem bei Zuteilung das jeweilige Bauspardarlehen zinsgünstig und mit stabilen Konditionen entnommen werden kann. Beim Bausparen gibt es drei Phasen:

Ansparphase

Bevor es zur Zuteilung kommt, müssen die Bausparer generell ein Mindestbausparguthaben über 6 Jahre ansparen. Während dieser Sparphase zahlen Bausparer monatlich, jährlich oder einmalig in ihren Sparplan ein. In der Regel beträgt das Mindestbausparguthaben 30 Prozent. Der Staat unterstützt das Bausparen pro Person und Jahr mit einer Bausparprämie.

Zuteilungsphase

Ist der Bausparvertrag zuteilungsreif, also die Mindestwartezeit von 6 Jahren abgelaufen und das Mindestdarlehen 4.000 Euro sowie die Bewertungszahl erreicht, wird dem Bausparer nach einer Wartezeit das Sparguthaben und Bauspardarlehen durch die Bausparkasse bereitgestellt. Wie lange der Bausparer auf die Auszahlung des Darlehens warten muss, hängt von der Liquidität des Kreditinstitutes ab. Es dürfen nicht mehr Darlehen ausgezahlt werden, als Geld im Guthabentopf ist. Nach Zuteilung fällt eine einmalige Bereitstellungsgebühr an.

Darlehensphase

Die Tilgung des Bauspardarlehens erfolgt in monatlichen Raten. Höhe und Dauer der Rückzahlung richten sich nach der Tarif-Variante. Die Darlehensphase kann jederzeit durch Sonderzahlungen verkürzt werden. Beim Bauspardarlehen gibt es eine Zinssatzobergrenze von 6 % (gemäß ABB), Bausparer profitieren somit von der Sicherheit, dass das Darlehen langfristig leistbar ist. Die Höchstdarlehenssumme pro Person beträgt 180.000 Euro für Ehepaare (und Lebensgemeinschaften) 360.000 Euro.

Um die verschiedenen Bedürfnisse und Ziele der Bausparer zu decken, werden Bausparverträge nach Tarifen angeboten.

Es gibt verschiedene Bausparmodelle, die sich in Anspar- bzw. Darlehenslaufzeiten sowie der Verzinsung unterscheiden. Die gängigsten Varianten sind:

• Tarife mit variabler Verzinsung:
Nach dem ersten Jahr werden die Zinsen einmal jährlich an die Zinsentwicklung angepasst.

• Fixzins-Tarife:
In diesem Fall werden die Einzahlungen über die Laufzeit von sechs Jahren fix verzinst. Gute Alternative zu den recht mageren Sparbuchzinsen.

Fakten zum Bausparen in Österreich

• Ein prämienbegünstigter Bausparvertrag pro Person möglich.
• Die steuerliche Mindestbindungsfrist beträgt 6 Jahre. Nach Ende der Laufzeit ist das Guthaben frei verwendbar.
• Bausparprämie wird jährlich festgelegt (zwischen 1,50 und 4,00%) und ist KEst-frei.
• Bauspardarlehen kann für Wohnbau, Bildung und Pflege genutzt werden.

Bereits Minderjährige können einen Bausparvertrag abschließen. In diesem Fall muss ein gesetzlicher Vertreter angeführt sein, der den Antrag auch unterfertigen muss. Bei 14- bis 18-Jährigen mit eigenem Einkommen ist dies allerdings nicht erforderlich.

Was kann mit einem Bausparvertrag finanziert werden?

Ein Bausparvertrag ist universell einsetzbar. Das Bauspardarlehen kann für die Finanzierung von

• Wohnbau
• Aus- und Weiterbildung
• Pflegemaßnahmen

verwendet werden.

Bauen & Wohnen

Mit einer günstigen Bausparfinanzierung können zahlreiche Projekte rund ums Bauen, Wohnen und Sanieren realisiert werden:

  • Hausbau
  • Grundstücks- oder Immobilienkauf
  • Renovierung, Sanierung, Modernisierung
  • Wellness- und Sicherheitseinrichtungen
  • Energiesparende Maßnahmen
  • Ablösezahlungen
  • Umschuldung

Bildung

Unter Nachweis einer zweckmäßigen Verwendung kann mit dem Bauspardarlehen folgende Ausgaben finanziert werden:

  • Kurse bei IFI, BFI, Volkshochschulen
  • Universitäten, Fachhochschulen
  • Privatuniversitäten
  • Akademien
  • Lehrgänge
  • Fernstudium
  • Studiengänge
  • Berufs- und Werkmeisterschulen
  • mit der Bildungsmaßnahme zusammenhängende Kosten, wie z.B. Lernmaterialien Unterkunfts- und Fahrtkosten, Prüfungsgebühren

Pflege

Bei Pflegebedürftigkeit können folgende Ausgaben, sofern diese nicht von öffentlichen Einrichtungen getragen werden, finanziert werden:

  • Ausgaben für Pflegeeinrichtungen
  • Pflegepersonal
  • Therapien und Kuraufenthalte
  • Medizinische Behelfe (Rollstuhl, Prothesen, etc.)
  • Verdienstentgang naher Angehöriger, falls diese die Pflege übernehmen

Hinweis: Der Darlehensnehmer muss nicht selbst pflegebedürftig sein, das Darlehen kann auch für die Pflege eines pflegebedürftigen nahen Angehörigen gewährt und verwendet werden.

Welche Förderungen gibt es?

Bausparer werden staatlich gefördert, und zwar in Form einer jährlichen Prämie. Diese Bausparprämie liegt zwischen 1,50 und 4,00 Prozent und wird jährlich, entsprechend dem allgemeinen Zinsniveau neu festgelegt. Jede förderfähige Person erhält die Prämie auf Einzahlungen von maximal

  • 100 Euro bei monatlicher Einzahlung
  • 1.200 Euro bei jährlicher Einzahlung
  • 7.200 Euro bei einem Einmaleinzahlung

Mit 1,50% liegt die Förderung im Jahr 2014 an ihrer gesetzlich festgelegten Untergrenze. Zwar können Bausparer höhere Einzahlungen leisten, darüber hinaus gibt es allerdings keine Förderung mehr.

Die Bausparprämie ist von der Kapitalertragssteuer (KESt) befreit. Die Prämiengutschrift erfolgt im Folgejahr, am 31. Jänner. Wurde der Bausparvertrag beispielsweise im Jänner 2013 eröffnet, wird die Prämie am 31. Jänner 2014 gutgeschrieben.

Wie wird der Bausparvertrag steuerlich in Österreich behandelt?

Anders als bei der staatlichen Bausparprämie sind Zinserträge aus einem Bausparvertrag steuerpflichtig. Die Kapitalertragsteuer beträgt aktuell 25 % (Stand 2014). Zusätzlich fallen Kontoführungsgebühren an.

Ist eine vorzeitige Kündigung des Bausparvertrags möglich?

Der Abschluss des Bausparvertrages sollte sich gut überlegt werden. Wird ein Bausparvertrag vorzeitig aufgelöst, also das angesparte Bausparguthaben zur Gänze oder teilweise vor dem Ablauf der gesetzlichen 6-jährigen Bindungsfrist abgehoben, wird das Sparguthaben abgezinst. Die staatliche Prämie muss zurückbezahlt werden und eine Verwaltungskostenpauschale wird angerechnet.

Ausnahme: Wird das Guthaben widmungsgemäß (für Erhaltung und Schaffung von Wohnraum sowie Bildungs- oder Pflegemaßnahmen) verwendet, kann der Bausparer die Prämie behalten.

Wie finde ich den besten Bauspar-Anbieter als Geldanlage?

Das Bauspar-Angebot in Österreich ist recht überschaubar. Insgesamt gibt es derzeit vier Anbieter:

Allgemeine Bausparkasse reg.Gen.m.b.H.
Bausparkasse der österreichischen Sparkassen AG
Raiffeisen Bausparkasse Ges.m.b.H.
Bausparkasse Wüstenrot AG

Nachfolgend finden Sie die aktuellen Konditionen der Bausparkassen in Österreich:

Die Tarife der Bausparkassen im Vergleich

Anbieter Tarif Einstiegs
zins
fix für Zinsandbreite
Anschlusszins
Mindest
einzahlung
Antrag
AVB Online-Bausparen 4,00% bis 12 Monate 0,75% – 4,25% 20 Euro Zum Angebot
Raiffeisen Bausparen Spartarif 3,50% 12 Monate 0,50% – 4,00% 30 Euro Zum Angebot
Wüstenrot Bausparen Dynamisches Bausparen 3,00% 12 Monate 0,75% – 4,00% k.A. Zum Angebot
S Bausparkasse Plus Bausparen 3,00% 12 Monate 0,75% – 4,00% 10 Euro Zum Angebot
S Bausparkasse Klassisches Bausparen 1,25% 6 Jahre 10 Euro Zum Angebot
Wüstenrot Bausparen Fixzins-Bausparen 1,25% 6 Jahre k.A. Zum Angebot
AVB 3 plus 3 Bausparen 1,20% bis zu 3 Jahre (bis 7.200 Euro) 0,75% – 4,25% 20 Euro Zum Angebot
Raiffeisen Bausparen MixZins Bausparen 1,10% 3 Jahre 0,50% – 4,00% 30 Euro Zum Angebot

Wie sicher sind die Bauspar-Einlagen?

Die Einlagen bei der Bausparkasse sind sehr sicher, denn Bausparkassen dürfen keine risikoreichen Geschäfte tätigen. Bausparkassen unterliegen strengen gesetzlichen Regelungen, deren Einhaltung von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) kontrolliert werden. Die Bauspareinlagen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Im Falle einer Pleite haben Bausparer einen Rechtsanspruch von bis zu 100.000 Euro.

Fazit zum Bausparen

Seit der Kürzung der Prämie im Jahr 2012 dürfte der Bausparvertrag als Kapitalanlage für Sparer weniger attraktiv sein. Rechnet man zusätzlich eine Inflation von 2 Prozent ein, fällt ein realer Verlust an. Durch die Bausparprämie werden Inflation und Steuer etwas abgefedert, sodass die reale Rendite für Investoren deutlich höher ausfällt als beim klassischen Sparbuch. Allerdings sind Sparer an dieses auch keine sechs Jahre gebunden. Ehrgeizigen Sparern, die ihr Geld sicher und trotzdem rentabel anlegen möchten, empfiehlt sich ein Vergleich mit Tagesgeld- oder Festgeldkonten.

Wer in Zukunft in eine eigene Immobilie investieren möchte, kann sich in einer Niedrigzins-Phase mit einem Bausparvertrag bereits für eine lange Zeit im Voraus gegen einen Anstieg der Darlehenszinsen absichern. Mit einem Bauspardarlehen können Sparer aber nicht nur eine den eigenen Vorstellungen entsprechende Wohnatmosphäre schaffen, sondern auch für den beruflichen Erfolg und den Fall einer Pflegebedürftigkeit vorsorgen.

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